Spangdahlem Air Base - Autor: Ralf Martin
Ein Tag in der Air Base Spangdahlem - beim letzten amerikanischen Kampfgeschwader in Deutschland
Am Morgen des 10.09.99 traf sich ein Trupp flugbegeisterter auf einem Parkplatz in der Nähe von Spangdahlem, um anschließend gemeinsam auf der gleichnamigen Air Base an einer geführten Besichtigung teilzunehmen. Von unserem Verein waren Achim, Olli, Andreas und ich dabei. Eingefädelt wurde der Termin über unser ehemaliges Mitglied Torsten Wahl durch einem Freund von ihm.
Noch während wir uns auf dem Parkplatz versammelten, donnerten die ersten Ketten von A-10 Thunderbolt II und F-16 über unsere Köpfe. Und das sollte bei strahlendem Sonnenschein und blauem Himmel den ganzen Tag so bleiben !
Am Offizierscasino wurden wir 10.00 Uhr von der sehr netten Pressesprecherin des Stützpunktes, Audray, in Empfang genommen. Ein Bus wartete bereits auf uns und wir begannen mit einer Rundfahrt über das Gelände.
Von den ganzen Zahlen ist mir nicht viel im Kopf geblieben, aber fast 15000 Menschen leben auf dem Gelände, davon sind ca. 5000 Militärangehörige, der Rest Zivilbeschäftigte und Familienmitglieder. Entsprechend sind Einrichtungen wie Geschäfte, Kino, Kirchen, Bowlingbahn, Krankenhaus, Golfplatz, diverse Werkstätten und anderes vorhanden.
Auf dem Stützpunkt ist das 52nd Fighter Wing mit 3 Staffeln zu je 18 Maschinen stationiert, nämlich das 22nd Fighter Squadron "Stingers" mit (horizontalem) rotem Streifen am Seitenleitwerk, das 23rd Fighter Squadron "Fighting Hawks" mit blauem Streifen am Seitenleitwerk, jeweils mit General Dynamics F-16C (Block 50) und F-16D ausgerüstet, sowie das 81st Fighter Squadron "Black Panthers" mit schwarzen Streifen mit weißem Blitz am Seitenleitwerk und Pantherköpfen auf den Triebwerken ihrer Fairchild A-10A Warthogs.
Leider ist die 53rd Fighter Squadron "Tigers" mit ihren F-15C seid Anfang des Jahres nicht mehr stationiert.
Die Piloten dieser Einheiten sind normalerweise sehr häufig zu diversen Übungen oder Kampfeinsätzen rund um die Welt verteilt, was durchaus zu langen Trennungen von den Familien führt und laut Gesprächen mit Audray schon etwas demotivierende Züge für die Piloten und das mitgehende Personal hat. So waren oder sind sie in Bosnien, Irak und dem Kosovo im Einsatz.

Ein F-16 Pilot des Geschwaders war am ersten Kampfeinsatz in der NATO Geschichte beteiligt, bei dem am 28.2.94 vier serbische Super Galebs abgeschossen wurden. Weniger rühmlich, aber auch sehr bekannt der Zwischenfall, bei dem eine Rotte F-15 der 53rd FS am 14.4.94 zwei UH 60A Black Hawks der US Army über dem Irak abschossen.
Schon gleich zum Anfang unserer Rundfahrt hielten wir dicht an der Start- und Landebahn (eigentlich gibt es zwei, eine von 3050m Länge und eine von 2460m Länge) und konnten die nahezu ununterbrochen startenden und landenden Maschinen ausgiebig fotografieren. Anschließend ging es weiter über das Gelände und zu einem noch besseren Aussichtspunkt - der Besucherplattform am Tower. Viele der an den Start oder zurück rollenden Jets fuhren relativ dicht daran vorbei.
Dort hielten wir uns lange auf, konnten auch noch den Touch and go eines BW Tornados sehen, ehe man uns noch in die Räume der Radaroperatoren zur Luftraumüberwachung ließ.
Anschließend ging es in die Instandhaltungs- und Ausbildungsbereiche, wo recht aufgeschlossene und teilweise überraschend gut deutsch sprechende Angehörige der Einheiten uns jede Frage beantworteten.
In der Lackhalle stand die Maschine des Staffelkommandeurs der 23rd FS mit einer aufregenden Bemalung des Seitenleitwerks zur Renovierung.
Mehrere F-16 trugen blaue Missionmarkings von Einsätzen im Kosovokrieg, entweder einfache Striche (zum zählen der Einsätze?) oder aber auch Silhouetten von HARM-Raketen. In den Hallen durfte auch fast alles fotografiert werden, ebenso die zu Wartungszwecken auf den Abstellflächen befindlichen Maschinen.
Nach der Mittagspause im Offizierskasino ging es noch in die Reparaturwerkstatt für die Flugtriebwerke, wo die F110-GE-129 Triebwerke genauestens unter die Lupe genommen werden konnten.
Außerdem lag diese Halle sehr dicht an der SLB, so daß uns dort noch recht gute Aufnahmen von vorbeifliegenden, startenden und landenden Maschinen gelangen.
Zum Schluß ließen wir den Tag in der Bar des Bowlingcenters ausklingen und jeder war zwar um ein paar Dollar ärmer, aber um top Erlebnisse reicher. Selbst die alten Foto-Hasen unter uns konnten sich nämlich nicht daran erinnern, jemals einen Tag mit einem derartigen Flugbetrieb erlebt zu haben. Die Begründung dafür war laut Audray übrigens simpel: das Fiskaljahr für die Air Force endet mit September und es war noch Geld übrig, das bei schönem Wetter in die dringend benötigten Flugstunden gesteckt wurde...