Focke-Wulf Ta 154 "Moskito" von Dragon im Maßstab 1:48 - Autor: Oliver Peissl

Modell 1:48 Ta-154

Original

Die Focke-Wulf Ta 154 war ein zweimotoriger Nachtjäger des Zweiten Weltkrieges, von dem einschließlich der Erprobungsmaschinen 31 Stück hergestellt wurden.
Die Ta 154 war ein überwiegend in Holzbauweise hergestellter Hochdecker mit freitragendem Normalleitwerk und einziehbarem Bugfahrwerk. Sie entstand als Antwort auf die britische Mosquito, die ebenfalls aus Holz gefertigt war und schneller als jedes deutsche Jagdflugzeug fliegen konnte. Gelegentlich wurde die Ta 154 daher im deutschen Sprachgebrauch auch mit dem Namen Moskito bezeichnet.
Ende 1942 begann Kurt Tank, Chefingenieur bei Focke-Wulf, mit der Entwicklung des Flugzeuges auf Basis der Fw 187, wobei am 7. Juli 1943 der Erstflug des Prototypen erfolgte. Während die ersten beiden Ta 154 mit Jumo-211-Motoren ausgerüstet waren, erhielt die Ta 154 V-3 einen stärkeren Jumo 213A sowie ein "Lichtenstein"-C1-Funkmessgerät (Radar), was der nachfolgenden Serienversion entsprach. Anfang 1944 wurden vier weitere Prototypen mit unterschiedlichen Funkmessgeräten getestet, und im Sommer 1944 entstand eine Vorserie von acht Flugzeugen, von denen später sechs zu Mistelgespannen mit Fw 190 umgerüstet wurden.
Kurz nach der Erteilung eines 250 Maschinen umfassenden Serienauftrages gingen die ersten zwei Flugzeuge durch Absturz verloren. Die Unfallkommission ermittelte eine Zersetzung des Sperrholzes durch den verwendeten Klebstoff als Ursache für diese Unglücke. Die Fertigung wurde daraufhin eingestellt; 13 teilweise modifizierte Exemplare gelangten zwar noch zur Auslieferung, wurden aber kaum mehr eingesetzt.
Der Bau der Flugzeuge erfolgte bei den Märkischen Metallwerken Erfurt (MME), dem früheren Reparaturwerk Erfurt (RWE). Insgesamt wurden 11 A-0 (drei im Jahre 1943, je eine im Januar 1944 und April 1944, der Rest später) und 19 A-2 von Mai bis August 1944 vom RLM übernommen. Nur wenige Ta 154 wurden im Juni 1944 an die Luftwaffe geliefert kamen aber hier offiziell nicht mehr zum Einsatz .

Modell

Modell 1:48 Ta-154Positiv auffallend bei diesem Bausatz sind die sechs verschiedenen Markierungsmöglichkeiten der Ta 154. Hier können sowohl Versuchsmaschinen (V) als auch einige der Vorserie (A-0) dargestellt werden. Neben dem Bausatz werden als Augenschmaus noch ein Resincockpit und ein Bugfahrwerksschacht aus dem Hause CMK sowie diverse Teile eines Fotoätzbogens von Eduard eingebaut.
Bevor jedoch das Resincockpit, welches übrigens einen guten Eindruck hinterlässt, eingebaut werden kann, müssen die beiden Rumpfschalen im Bereich des Cockpits ausgefräst werden. Auch die Cockpitschale wird vom überflüssigen Gießast befreit, bevor es gereinigt und in seine vorgesehenen Stellen im Rumpf eingepasst werden kann. Dies erfordert einiges an Anpassungsarbeit und sollte möglichst genau umgesetzt werden um spätere Überraschungen zu vermeiden. Das Cockpit wird, wie bei Maschinen ab 1941 üblich, in RLM 66 lackiert. Dieser Farbton hat auf vorhandenen Farbfotos einen Blaustich und wird daher noch mit wenigen Tropfen Blau vermischt. Nach bemalen der Kabel, Sitzgurte und Armaturen kann das Cockpit mit verdünnter Ölfarbe eingeschwärzt werden. Hierbei wird diese in sämtliche Vertiefungen sowie Ecken mit einem feinen Pinsel einlaufen gelassen um die räumliche Tiefe zu verdeutlichen. Erhabene Stellen werden des Weiteren mit Hilfe von hellgrauer Farbe trocken gebürstet.
Für den Bugfahrwerksschacht gilt hier der gleiche Ablauf wie beim Cockpit; dieser muss möglicht genau eingepasst werden um beim zusammenfügen der Rumpfhälften keine Passprobleme zu bekommen. Das Zusammenkleben der Rumpfschalen, Flügelhälften sowie Motorgondeln lässt sich problemlos bewirken. Diese Sektionen, besonders der Rumpf, müssen anschließend mit Spachtelmasse behandelt werden.
Zum Einsatz kommt hierbei sowohl handelsüblicher Spachtel aus dem Baumarkt (Molto Schnellspachtel) sowie Tamiyas Putty. Nach dem Zusammensetzen der Einzelsektionen wird das Modell mit einem Flies leicht angeraut um es für die Lackierung vorzubereiten.

Lackierung

Modell 1:48 Ta-154Die Vorserienmaschinen der Ta 154 waren zwar kaum im Einsatz jedoch in der Erprobungsphase und hatten daher dementsprechend viele Testflüge absolviert. Aus diesem Grund können diese Maschinen auch eine leicht verwitterte Lackierung sowie anschließendes Finish erhalten.
Die Maschinen hatten meist einen hellen Anstrich in RLM 76 Lichtblau mit RLM 75 Grauvioletten Flecken. Daher darf das Vorlackieren der Blechstöße sowie der Wartungsklappen nicht zu dunkel ausfallen. Hierfür wird bei diesem Modell ein mittlerer Grauton verwendet. Ferner werden die Flächen innerhalb der Blechstöße mit einer hellen Farbe (Weiß) vorlackiert. Um das durchscheinen der Vorschattierung zu gewährleisten wird die Grundfarbe RLM 76 von GUNZE-SANGYO in dünnen schichten aufgetragen. Hierbei wird innerhalb der Beplankungen angefangen und in kreisenden Bewegungen bis zu den Blechstößen lackiert. Diese Arbeitsfolge wird bei jeder Beplankung separat wiederholt, ist zwar mühsam und Zeitaufwendig, lohnt sich aber letztendlich.
Um die folgenden Flecken in RLM 75 möglichst mit einem „harten“ Übergang lackieren zu können müssen mehrere Faktoren berücksichtigt werden. Hierfür muss zunächst das Mischungsverhältnis Verdünnung/Farbe stimmen, in meinem Fall 2/3 Industriealkohol und 1/3 Farbe. Eine weitere Vorraussetzung für das Gelingen „harter“ Übergänge beim Freihandlackieren ist eine Airbrush mit feiner Düse/Nadel. U.a ist die Evolution „Silverline“ mit ihrer 0.2mm Düse hierfür bestens geeignet und wird in meinem Fall für solche Arbeiten genutzt. Auch sollte man vor einem solchen Lackiervorgang nicht allzu viel Kaffee trinken, denn ein ruhiges Händchen ist ebenfalls sehr wichtig! Falls die Übergänge der Tarnflecken trotz Einhaltung dieser Punkte dennoch nicht zufrieden stellend sind, können diese mit RLM76 verbessert werden. Nach 24 Stunden sind die Acrylfarben ausreichend ausgetrocknet um sie mit einer Schicht Klarlack zu versiegeln. Hierbei kommt Klarlack der Firma Tamiya zum Einsatz, welcher zu 50% mit Tamiyaverdünnung vermischt wird. Nach ausreichendem einhärten des Klarlackes (weitere 24 Stunden) erhält das Modell ein Washing aus mittelgrauer Farbe. Diese wird auf das Modell aufgetragen, leicht eingetrocknet und mit einem Polierlappen oder einem alten T-Shirt in Flugrichtung abgerieben. Der Abreibevorgang kann, je nach Gemüht, des Öfteren wiederholt werden bis ein jeder mit der Wirkung zufrieden ist.
Modell 1:48 Ta-154 Um die Decals fein säuberlich auftragen zu können, wird der Einsatz eines Weichmachers empfohlen. Hierbei kommt Weichmacher der Marke Micro Sol von Microscale zum Einsatz, welcher nach positionieren und leichtem Abreiben der Decals mit einem Pinsel aufgetragen wird. Eine weitere Schicht Klarlack ist notwendig um die Decals ebenfalls mittels Ölfarben behandeln zu können. Hierbei ist jedoch Vorsicht geboten, denn bei zu festem Abreibedruck, neigen die Decals trotz Klarlack zum Abreißen. Mittels Tamiya weathering master Set B wurden noch die Grundfarben sowie die Decals leicht aufgehellt, bzw. abgedunkelt. Zum Mattieren kommt Polyscale Mattlack zum Einsatz, welcher nach neuesten Informationen wieder in den USA erhältlich ist. In einem Mischungsverhältnis von 50/50 mit Tamiyaverdünnung (X20-A) wird dieser in mehreren dünnen Schichten aufgetragen.

Finish

Finish Modell 1:48 Ta-154Nach weiteren 24 Stunden des Trocknens kam der Einsatz des „Post Shadings“ zum Einsatz. Hierbei wird eine Schwarz-Braune Acryl Farbbrühe (Gunze), welche zu 95% mit Industriealkohol verdünnt wurde in Flugrichtung leicht über die Flügelvorderkante lackiert.
Ferner können, wie in meinem Fall, noch sämtliche Blechstöße, Wartungsklappen sowie Ruß und Schmauchspuren mit dieser Farbbrühe wiedergegeben werden. Vor dem Anbringen der Antennen sowie der Cockpithaube schattierte ich noch diverse Beplankungsbleche sowie Wartungsklappen mittels Ölfarben und CMK Pulver.
Die Antennen des FuG 220 Lichtenstein wurden durch ein solches von Schatton ersetzt. Dieses ist mit seinen rund 17€ nicht gerade billig jedoch liegt dies in dem Ermessen eines Jeden Modellbauers eine solche Investition zu tätigen.
Diese ist von hervorragender Qualität und lässt sich nach montieren, durch lackieren ineinander verkleben. Sämtliche weitere Antennen sind aus dem Bausatz bzw. dem beiliegendem DRAGON Fotoätzbogen.
Durch optimales Einsehen in den Cockpitbereich der Moskito ist die seitlich aufklappbare Haube noch mit dem Haubenöffnungsmechanismus sowie der Haubenöffnungsverstrebung zu versehen. Hierbei kommt Plastiksheet zum Einsatz, welcher in fast jedem Modellbauladen erhältlich ist.

Fazit

Die Ta 154 ist durch ihr spätes Erscheinen kaum in den Geschichtsbüchern erwähnt. Auch ist diese auf Modellbauausstellungen eher selten zu sehen, jedoch keinesfalls in einer Luftwaffensammlung zu vernachlässigen! Dragon bietet mit diesem Modell dem Modellbauer seine Sammlung an exotischen deutschen Flugzeugen um einen weiteren Schmankerl zu vervollständigen.
Modell 1:48 Ta-154 Modell 1:48 Ta-154
Modell 1:48 Ta-154 Modell 1:48 Ta-154
(Text, Modell und Fotos: Oliver Peissl, Saarbrücken)