Der Führungsstab der Luftwaffe entwickelte Anfang 1934 die taktischen Richtlinien für das Rüstungsflugzeug III und das Reichsluftfahrtministerium (RLM) tritt mit der Forderung ein geeignetes Flugzeug dafür zu schaffen an die deutsche Luftrüstungsindustrie heran. Der Entwurf des Rüstungsflugzeugs III sah ein zweimotoriges, mehrsitziges Mehrzweckflugzeug mit starren und beweglichen Rohrwaffen vor, das sowohl als Zerstörer, Kampfflugzeug und Aufklärer einsetzbar sein sollte. In der Rolle des Zerstörers sollte die Maschine den eigenen Bombern vorausfliegen bzw. sie begleiten und gegnerische Abfangjäger abwehren. Gefordert wurden dabei unter anderem eine Höchstgeschwindigkeit von 400 km/h und eine Reichweite von 2000 km.
Während Focke-Wulf mit der Fw 57 und Henschel mit der Hs 124 versuchten die verschiedenen Einsatzarten in jeweils einem Flugzeug, dem so genannten Kampfzerstörer zu vereinigen, ging man bei der Bayrischen Flugzeugwerke AG einen anderen Weg. Unter der Leitung von Willy Messerschmitt entstand eine Basiszelle, welche durch entsprechende Änderungen der Rumpfkonstruktion den jeweiligen Einsatzzwecken angepasst werden konnte. Es entstanden so drei ähnliche Flugzeugentwürfe mit den Bezeichnungen Bf 110 (Zerstörer), Bf 161 (Aufklärer) und Bf 162 (Kampfflugzeug).
Der Entwurf der Bf 110 sah ein aerodynamisch sauber durchkonstruiertes Flugzeug in Tiefdeckerauslegung und Ganzmetallbauweise vor. Die beiden Triebwerke waren an den Tragflächen installiert. Das Leitwerk wurde als Doppelseitenleitwerk mit Endscheiben ausgeführt. Wie damals üblich war ein Spornradfahrwerk mit Einzelbereifung an allen drei Streben vorgesehen. Das Hauptfahrwerk zog nach hinten in die verlängerte Triebwerksverkleidung ein, während das Spornrad fest installiert war. Als Besatzung waren zwei Mann geplant. Pilot und Funker saßen, allerdings mit einigem Abstand zueinander, Rücken an Rücken. Der Funker hat auch die geplante rückwärtige Defensivbewaffnung zu bedienen.
Am 12.Mai 1936 startete der Prototyp Bf 110 V1 in Augsburg zum Erstflug. Die Maschine war mit Junkers Jumo 210-Triebwerken mit einer Leistung von bis zu 507 kW (680PS) sowie Zweiblattpropellern ausgerüstet. Sie erreichte auf Anhieb die geforderte Geschwindigkeit von 500 km/h und zeigt auch sonst keine gravierenden Mängel. Allerdings war die Maschine noch unbewaffnet, so das für die Serienmaschinen aufgrund des zusätzlichen Gewichts der Waffen mit einer deutlich geringeren Geschwindigkeit zu rechnen war. Daher wurde in die dritte Versuchsmaschine Bf 110 V3 der neue Daimler-Benz DB 600A mit einer Leistung von bis zu 735 kW (1000 PS) sowie VDM-Dreiblattpropellern eingebaut. Auch wurden an dieser Maschine weitere Verbesserungen vorgenommen. So war sie bereits mit einem unverstrebten Höhenleitwerk sowie einer vollständigen Fahrwerksabdeckung ausgerüstet. Die Bf 110 V3 hob erstmalig am 24.Dezember 1936 ab.
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Die Bf 110 E hatte, wie ihre Vorgänger die C- und D-Varianten auch, den Daimler Benz (DB) 601 verbaut. Die Bewaffnung bestand ebenfalls wie die der vorangegangenen Typen auch aus vier MG 17 sowie MG FF, welche starr nach vorne schossen und einer rückwärtigen, beweglichen Abwehrbewaffnung, aus einem MG 15. Ferner wurde die Flugzelle für eine größere Bombenlast, bestehend aus zwei 500 kg Bomben unter dem Rumpf sowie vier 50 kg Bomben unter den Flügeln, verstärkt. Wahlweise konnten, wie bei der D-Version auch, Zusatztanks verschiedener Größen unter den Flügeln transportiert werden. Ein weiteres Merkmal der E-Variante ist das vergrößerte Spornrad mit zum Teil eingebauter Flatterbremse (Spreizschere), die je nach Einsatzgebiet angebrachte Panzerplatte hinter dem Piloten sowie die Heizungsbelüftung, welche zwischen den MG 17 in der Nase sowie seitlich am Rumpf eingebaut war. Natürlich wurden diese Neuerungen auch an den früheren Varianten zum Teil nachträglich angebracht und erschwert daher eine genaue Typenbezeichnung diverser Bildvorlagen.
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Beim Betrachten des geöffneten Bausatzes, empfing ich diesen mit dem gleichen funkeln in den Augen wie das bei der Fw 190 A-8 dieses Herstellers der Fall war. Hervorragend wiedergegebene Oberflächendetails wie die der Nietreihen, Beplankungen, sowie Wartungsklappen zeichnen die neuen Bausätze von Eduard aus. Ferner beinhalten diese einen farbigen Ätzbogen als Standard. Skeptisch entgegnete ich der Passgenauigkeit, da die Focke Wulf bereits kleine Mängel diesbezüglich aufwies und die Bf 110 ein wesentlich komplexerer Bausatz ist, dazu jedoch später mehr.
Zusätzlich fanden noch ein weiterer Fotoätzbogen von Eduard (49385) sowie MG 17, Auspuffrohre, Steuerknüppel, Bewaffnung, Reflexvisier von Quickboost, sowie ein MG 15 von Aires für den Bau des „Zerstörers“ Verwendung. Besonders der Einsatz des Steuerknüppels sowie Wechselmagazine aus dem Zurüstbereich ist hier empfehlenswert, da die Originalteile doch etwas zu schlicht ausfallen und die Spritzform hier wohl etwas versetzt zusammengesetzt war. Das eigentliche Cockpit ist von guter Qualität und lässt sich, geht man davon aus, dass alles seine Richtigkeit hat, zügig zusammenbauen. Die Ätzteile welche im Bausatz enthalten sind, sind für einen reell wirkenden Gesamteindruck ebenfalls sehr von Nützen.
Nach den üblichen Lackierarbeiten in RLM 02 sowie anschließendes einschwärzen mittels Ölfarben, sind noch diverse Typenschilder der Firma Archer verwendet worden. Diese werden mittels Reibverfahren auf die vorgesehene Stelle aufgetragen. Vorteil hierbei ist, nicht wie bei Decals, dass diese matt sind und hierbei fast kein Trägerrand zu sehen ist. Die Bewaffnung des MG/FF sowie die Funkanlage des Bord -funkers bzw. -schützen wurden noch mit Draht ergänzt, da die aufgespritzten Leitungen hier nicht genügend überzeugen. Abschließend erhalten die hervorzuhebenden Stellen noch ein leichtes Drybrushing bevor die Rumpfhälften zusammengeklebt werden können. Beim Zusammenhalten der beiden Rumpfhälften fällt die eher mäßige Passgenauigkeit direkt ins Auge! Die Blechstöße der beiden Rumpfhälften sind beim zusammensetzen ca. um einen mm versetzt, was natürlich auch für die hervorragend wiedergegebenen Nietreihen gilt! Auch die Motorgondeln, welche aus zweigeteilten Hälften bestehen, weisen diese Probleme auf. Hiermit jedoch nicht genug, will man die Motorgondeln mit den Flügeln verbinden, entsteht an der oberen Fügestelle ein ca. 1,5 mm breiter „Krater“, welcher nur durch Einsatz von Sheet in Verbindung mit Spachtel behoben werden kann.
Nach Abstellen dieser Mängel müssen sämtliche Blechstöße, sowie Nietreihen, welche verspachtelt wurden nachgraviert werden.
Um ein korrektes Modell der Bf 110E darzustellen ist es notwendig diverse Vorlagen des Originals zu studieren, da es bei den frühen Varianten feine, jedoch markante, unterschiede gab. Ferner sollte man, bevor mit dem Bau begonnen wird, genau wissen welche Variante am Ende dargestellt werden soll um hier, während des Baus keine Variantentypische Details zu vergessen. Die von mir dargestellte Maschine ist eine frühe „Tropenversion“. Lediglich die Farbe erinnert an den Einsatzort Wüste, denn weder die vergrößerten Kühler, noch die Sandfilter waren hier verbaut. Als Abwehrbewaffnung glaubt man ein MG 81Z zu erkennen, was vermutlich von der Zensur retuschiert wurde. Ein weiteres Indiz für eine Retuschierung ist das veränderte Kennzeichen, welches auf einem Bild, vergleicht man es mit anderen, ersichtlich ist. Die Flatterbremse (Spreizschere am Spornrad) wurde von mir weggelassen, da auf dem Bild des Originals keine zu erkennen ist. Auf den Bildern kann man ganz klar erkennen, dass eine Rückenpanzerung beim Piloten vorhanden war. Ebenfalls nachgerüstet wurde die Zuluftklappe der Heizung für den Bordschützen/-funker sowie der Abgasschutz beim Ansaugstutzen des Laders für den Steuerbordmotor.
Die Glaskanzel ist vor dem Lackiervorgang noch abzukleben, auch die Innenseiten sind hier abzukleben, da in diesen Bereich sehr gut eingesehen werden kann.
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Wie üblich beginne ich mit dem Vorschattieren, welches in diesem Fall den Grundfarben angepasst wird, da diese sehr hell sind. Für die Unterseite wählte ich ein Mittelblau sowie RLM 81 (Braunviolett) für die Oberseite. Diese sind entlang sämtlicher Blechstöße, Wartungsklappen sowie Stellen, welche stark verschmutzt waren lackiert worden. Anschließend wurden, das weiße Rumpfband, die gelben (RLM 04) Motorgondelunterseiten sowie Seitenruder lackiert. Nach Abkleben der bereits lackierten Bereiche ist eine erste Schicht RLM 78 in dünnen Schichten von Blechstoß zu Blechstoß aufgetragen worden. Anschließend ist der Grundton RLM 78 mittels weniger tropfen grau an diversen stellen nachbehandelt worden um hier erste Schattierungen darzustellen. Der Übergang der Ober- sowie Unterseite am Rumpf ist mittels Blue Tack abgeklebt worden. Hierbei handelt es sich um eine Kautschukähnliche Masse, welche in dünnen Würsten gerollt und anschließend an die dafür vorgesehenen Stellen aufgeklebt wurde. Beim Auftragen der Oberseitenfarbe entsteht, dank dieser Vorgehensweise, ein realistisch aussehender Übergang. Wie auch die Unterseite wird die Oberseitenfarbe, hier RLM 79, in mehreren dünnen Schichten aufgetragen und anschließend nachschattiert. Nach dem Washing des kompletten Modells mittels schwarzbrauner Ölfarbe, auf ein versiegeln mit Glanzlack wurde hier gezielt verzichtet, ist die Oberseitentarnung nochmals mit weißverdünnter Grundfarbe nachbehandelt worden, um hier einen typisch ausgeblichenen Zustand darzustellen. Die Decals, welche zum Teil von Kagero stammen, erhielten mittels hoch verdünnter Grundfarbe einen zusätzlichen Überzug als Filter. Markante Stellen, wie Einfüllabdeckungen, sich Ölsammelnde Stellen sowie Trittspuren der Warte wurden noch mittels Ölfarben sowie Alufarben behandelt.
Das gesamte Modell wird nach Abschluss dieser Arbeiten mit Mattlack lackiert und anschließend für das Auftragen der Verrußungen bzw. Schmauchspuren vorbereitet. Die Schmauchspuren der Waffen entstehen aus Hochverdünntem schwarz, wobei der Motorenruß aus verschiedenen schwarz, schwarzbraun sowie Grautönen besteht.
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Für das Hauptfahrwerk sowie die Haubeninnereien findet der zusätzliche Eduardbogen ebenfalls Verwendung. Die Bewaffnung ist mit Tamiya X-10 „Gunmetal“ lackiert, mittels Graphitpulver poliert und anschließend mit Silber leicht trocken gebürstet worden. Die Visiereinrichtung für das MG 15 entstammt, wie die Bewaffnung selbst, ebenfalls aus dem Zurüstmarkt. Der Rückenpanzer des Piloten ist ein Eigenbau aus 0,5mm starkem Plastiksheet, welcher anhand diverser Bilder in Form gebracht wurde. Propeller, Staurohr und Drahtantenne sind zum finalen Abschluss angebracht worden und bilden somit das Ende des Baus dieses nicht ganz so einfachen aber empfehlenswerten Bausatzes.
Möchte man, mal eben schnell, eine Bf 110 der frühen Varianten bauen, ist auch der Eduardbausatz nicht ganz dafür geeignet. Mit Hilfe einiger Zusatzaufwendungen lässt sich jedoch aus dieser bisher besten Basis, mit den integrierten Fotoätzteilen sowie der guten Decals, ein sehr schönes Modell eines der schönsten Flugzeuge des zweiten Weltkrieges bauen!
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Luftwaffe Colours 2006: Zerstörer Volume Two, Vasco, John J.,
Luftfahrtverlag-Start 2003: Luftwaffe im Focus colour, Axel Urbanke,
Kagero 2005: Bf 110 Vol. I-III, Marek J. Murawski,
Aero Detail 1998: Messerschmitt Bf 110, Scott T. Hards,
Aviatic Verlag 2001: Messerschmitt Bf 110 Me 210 Me 410, Mankau / Petrick,
Heel 2001: Deutsche Flugzeug-Cockpits 1935-1945, Kenneth A. Merrick
Classic 2008: Messerschmitt Bf 110 C,D and E, Vasco / Estanislau