Das römische Reich sicherte schon frühzeitig die Grenzen in den neu eroberten germanischen Provinzen gegen die, meist feindlichen, barbarischen Nachbarn durch Befestigungen, die im Laufe der Jahrzehnte immer weiter ausgebaut wurden. Dabei hatte diese Limes genannte Befestigung keinen Verteidigungscharakter, sondern diente lediglich der Überwachung der Grenze und der Kontrolle des Handels und Wandels über diese Grenze hinweg. Von dort aus wurden die im Hinterland stationierten Legionen alarmiert, die dann in Eilmärschen an die kritischen Grenzabschnitte marschierten.
So zog sich der obergermanische Limes von der Rheinmündung am Fluß entlang bis Koblenz und von dort aus bis an die Donau bei Regensburg.
Dabei wurden unter Kaiser Domitian (81-96n.Chr.) auf Sichtweite hölzerne Wachtürme errichtet, die durch einen Weg verbunden waren. Die Entfernungen der Türme variierten je nach Gelände und damit Sichtbarkeit stark, ihre Höhe ebenfalls. Die Abstände betrugen so etwa 200-1000m. Ab ca. 120 n.Chr. begann eine weitere Ausbauphase, in der eine Palisade und später Graben und Wall vor dem Patrouillenweg angelegt wurden. Außerdem begann man die verfallenden Holztürme durch Steintürme zu ersetzen. Diese Ausbauarbeiten fanden nicht gleichzeitig und an allen Stellen statt. So gab es in schwer zugänglichen, bergigen Grenzabschnitten z.B. nur Türme, die auf passenden Bergrücken standen, z.B. in der Eifel.
Die Türme hatten einen quadratischen Grundriss von 4,8 bis 6m Seitenlänge, ihr Eingang befand sich weit oberhalb des Bodens im ersten Stock, nur über eine einziehbare Leiter erreichbar. Dieses Geschoß verfügte meist schon über kleine, schießschartenähnliche Fenster und war wohl ein kombinierter Lager- und Wirtschaftsraum. Von dort aus kam man über eine weitere Leiter in das Dachgeschoß, das von einer umlaufenden Plattform umgeben war, von der aus der Wachdienst erfolgte. Die Höhe der Plattform über Grund mußte eine Verständigung mit den Nachbartürmen mittels Signalhörnern und Rauch- und Lichtzeichen ermöglichen. Daher variierte die Höhe der Plattformen stark. Es gab Türme mit Plattformhöhen bis zu 10m. Die Türme besaßen wohl meist ein mit Holzschindeln gedecktes Spitzdach. Aber auch Schiefer- und Strohdeckung ist bekannt. Die Fenster verschloß man mit Holzläden, aber teilweise auch schon mit Glasscheiben. Wie viele Bauten der Zeit waren die Türme oft weiß verputzt und mit eingeritzten roten Quaderlinien verziert.
Die genaue Anzahl der auf den Türmen befindlichen Besatzung ist nicht bekannt, jedoch mußten mindestens 4 Personen stationiert sein, um dem Wachrhythmus der römischen Armee genüge tun zu können ( 4 Nacht-wachen). Dazu kam wohl noch ein Postenführer. Mehr als eine Zeltgemeinschaft (contibernium) aus 8 Personen dürften von den Platzverhältnissen nicht untergekommen sein.
Die Turmbesatzungen waren keine Legionäre, sondern Angehörige der Hilfstruppen. Evtl. war der Postenkommandant ein altgedienter, nicht mehr voll kampftauglicher Legionär.
Entsprechend sah auch die Bewaffnung aus. Es waren nur die üblichen leichten Handwaffen wie Speere, Schwerter und Schleudern mit Wurfsteinen vorhanden. Dazu Schilde der Hilfstruppen. Starke Rüstungen wie bei den Legionären waren ebenfalls kaum vorhanden, Kettenhemd und Helm mußten reichen.